Warum es gemeinsam besser geht Die FH will ihr Profil als verantwortungsbewusste, zukunftsgewandte Hochschule schärfen.

Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine nimmt in unserem täglichen Leben eine immer größere Rolle ein. Als Hochschule für Angewandte Wissenschaften  ist die FH Aachen einer anwendungsorientierten, praxisnahen Arbeit in Lehre und Forschung verpflichtet – am Puls der Zeit, immer mit Blick auf aktuelle technologische Entwicklungen. Die rasante Ausbreitung der künstlichen Intelligenz (KI) sowie die Diskussionen über Globalisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit führen zu der Frage, wie die Hochschule zukünftig ihre Verantwortung bei der Erforschung und dem Einsatz moderner Technologien definiert.

Im Mittelpunkt aller Aktivitäten an der FH stehen die Menschen, vor allem diejenigen, die hier studieren, lehren, forschen und arbeiten. Das gilt für die Frage, wie eine Präsenzhochschule ihr Lehr- und Studienangebot sinnvoll mit Online- und KI-Elementen ergänzen kann. Es geht aber auch darum, das Studienangebot thematisch in Richtung Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln und moderne Technologien in den Arbeitsalltag einzubinden, um die Mitarbeitenden zu unterstützen.

Ein Ort, wo Menschen zusammenkommen

Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, heißt vor allem, allen Beteiligten die Chance zu geben, Teil der Hochschulgemeinschaft zu sein – weil es gemeinsam besser geht. Eine Hochschule ist ein Raum, in dem Wissen erlangt, vermehrt und geteilt wird; sie ist aber vor allem ein Ort, wo Menschen zusammenkommen, gemeinsam leben, studieren, forschen, arbeiten. Die FH Aachen ist und bleibt eine Präsenzhochschule. Dabei geht es nicht nur um gemeinsame Lehrveranstaltungen in Hörsälen und Seminarräumen, sondern auch um Übungen, Sprechstunden und gemeinsame Aktivitäten in Fachbereichen und Instituten. Die gute Betreuung der Studierenden ist wichtig, und sie funktioniert am besten im direkten Kontakt. Digitale Elemente, wie sie gerade in der Zeit der Coronapandemie entwickelt worden sind, bieten die Chance, das Präsenzangebot zu ergänzen. Das gilt auch für den Einsatz von KI-Plattformen wie ChatGPT in der Lehre. Künstliche Intelligenz wird die Studierenden in ihrem zukünftigen Arbeitsleben begleiten. Es ist Aufgabe einer Hochschule, sie darauf vorzubereiten, die Chancen dieser neuen Technologie verantwortungsbewusst und klug zu nutzen.

Ein neuer Rahmen für Nachhaltigkeit in der Lehre

Beim Tag der Lehre wurde deutlich, wie die FH Aachen ihr Studienangebot zukünftig entwickeln will: hin zu einer handlungsorientierten Herangehensweise, disziplinübergreifend, immer mit Blick auf die Belange und Bedürfnisse einer Gesellschaft im Umbruch. Die Grundidee ist, dass in einer sich ändernden Welt andere Anforderungen an Hochschulabsolvent:innen gestellt werden. Sie sollen durch ihr Studium in die Lage versetzt werden, erworbenes Wissen anzuwenden, um Herausforderungen anzugehen, deren gesamtes Ausmaß nicht absehbar ist – ein Beispiel im globalen Maßstab sind die Folgen des Klimawandels. Ein wesentlicher Baustein ist die Einbindung der Zivilgesellschaft. Lag die Perspektive bislang vor allem auf technischer Entwicklung, muss der Blickwinkel in Zukunft geweitet werden, um komplexe Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Nach der Überzeugung von Prof. Dr. Josef Rosenkranz, Prorektor für Studium, Lehre und Internationales, ist die Lehre der Zukunft handlungsorientiert, transdisziplinär und transformativ. Der nächste Schritt für die FH sei die Schaffung eines Orientierungsrahmens, der die Weiterentwicklung der Studiengänge in den Bereichen Nachhaltigkeit, Internationalisierung und Digitalisierung ermögliche.

Forschung für die Menschen

Wenn Prof. Dr. Andrea Upmann und ihr Team im Labor am Ergonomieprüfstand arbeiten, erforschen sie, welche Faktoren darüber entscheiden, ob Menschen sich im Fahrersitz eines Autos wohlfühlen. Die Sicht nach außen sollte ungestört sein, alle wichtigen Bedienelemente sollten erreichbar und die Anzeigen problemlos einsehbar sein. Gemeinsam arbeiten sie daran, Autofahren nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer zu machen.

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Ein ähnliches Ziel verfolgt das Team von Prof. Dr. Michael Reke, das Technologien für automatisiertes Fahren entwickelt. Auf der Teststrecke wird erforscht, wie sich Autos auf der Beschleunigungsspur von Autobahnen einfädeln können, ohne dass die Fahrenden Lenkrad und Pedale bedienen.

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Passgenaue Lösungen entwickeln

Für Prof. Dr. Thomas Ritz, Prorektor für Forschung, Innovation und Transfer, liegt das Augenmerk in seinem Bereich vor allem darauf, durch Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung das Leben der Menschen besser zu machen: "Es gibt so viele Bereiche, wo wir mit Innovationen den Menschen gefährliche, mühsame und eintönige Arbeitsschritte abnehmen können. Mit unseren Forschungsprojekten leisten wir da einen wichtigen Beitrag. Entscheidend ist, dass wir die individuellen Bedarfe identifizieren und passgenaue Lösungen entwickeln."

 

Roboter für Krisensituationen

Ein weiteres Beispiel hierfür ist die Arbeit des Aachen Legged Rescue Teams (ALeRT), bestehend aus Studierenden und Mitarbeitenden des Instituts für Mobile Autonome Systeme und Kognitive Robotik (MASKOR). Das Team entwickelt einen vierfüßigen Roboter, der eingesetzt werden soll, um in Krisensituationen die Lage zu erkunden oder Notfallmaßnahmen einzuleiten. Max Kirsch leitet das Team. Er erläutert: "Als finale Mission wird in der Rescue League ein Katastrophenszenario aufgebaut, wobei ein Unfall mit explosiven Substanzen in einem Chemielabor gemeldet wird. Der Rettungsroboter hat die Aufgaben, Türen zu öffnen, Ventile eines Ventilationssystems zu schließen, Geröll zu überwinden und durch Rauch zu navigieren."

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Unterstützung am Arbeitsplatz

Moderne Technologie kann die Menschen auch bei monotoner Arbeit unterstützen. Jessica Ulmer hat in ihrer Doktorarbeit untersucht, wie eine industrielle Arbeitsumgebung aussehen kann, die nicht nur optimale Bedingungen für alle Beteiligten bietet, sondern auch Anreize schafft und die Motivation erhöht. In der Praxis sieht das so aus, dass ein vernetztes System aus Sensoren und Kameras an dem jeweiligen Arbeitsplatz erfasst, wohin die Mitarbeitenden greifen, welches Werkzeug sie nehmen und ob der Arbeitsschritt richtig ausgeführt wird. Auf dieser Basis erhalten die Mitarbeitenden individuell Unterstützung.

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Eine einzigartige Gelegenheit

"Wir haben in unserer Region in den kommenden Jahren die einzigartige Chance, moderne Technologien auch im großen Maßstab zu erproben", bekräftigt Thomas Ritz. Das Ende der Braunkohleförderung im Rheinischen Revier stelle eine große wirtschaftliche Herausforderung dar, biete aber auch – nicht zuletzt dank üppiger Fördermittel von Bund und Land – eine einzigartige Gelegenheit. "Wir haben die Flächen, wir haben die Ideen, und vor allem haben wir viele kluge Köpfe an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Aachen und Jülich", sagt er, "die Braunkohleregion ist ein riesiges Reallabor für Energie, Verkehr und Bauen."

 

Moderne Technologien für regionale Unternehmen

Aber auch auf übergeordneter Ebene wird an der FH über die Konsequenzen nachgedacht, die moderne Technologien auf die Arbeitswelt und damit auf den Alltag vieler Menschen haben. Das MASKOR-Institut erforscht im Rahmen der Projekte WIRKsam und AKzentE4.0, wie digitale Technologien und künstliche Intelligenz zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen eingesetzt werden können – mit dem Ziel, eine Perspektive für einen sozialen und nachhaltigen Strukturwandel im Rheinischen Revier zu entwerfen. Prof. Dr. Alexander Ferrein koordiniert die Projekte für die FH. Er betont: "Wir wollen herausfinden, welche Voraussetzungen für den Einsatz von KI und Industrie 4.0 in Unternehmen nötig sind und welche Auswirkungen sich auf Arbeitsprozesse ergeben. Es geht um alle Bereiche, die mit Planung und Koordination zu tun haben. Gute Beispiele sind die Personaleinsatzplanung, Materialbewirtschaftung, Wartung von Maschinen, Logistik und Wissensmanagement."

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Gesellschaftliche Teilhabe

Die Nutzung von KI kann auch einen Beitrag zu größerer gesellschaftlicher Teilhabe leisten – etwa durch die automatisierte Umwandlung von komplexen Texten in Leichte Sprache. Menschen mit einer geistigen Behinderung, Demenz oder geringen Deutschkenntnissen haben oft Probleme, Texte etwa im Internet zu ver-stehen. "Es geht dabei nicht nur um die Vermittlung von Wissen", erklärt Prof. Dr. Bodo Kraft, Experte für Wirtschaftsinformatik am Fachbereich Medizintechnik und Technomathematik. "Durch das Bereitstellen von Texten in Leichter Sprache kann den Menschen mit Leseeinschränkungen ein möglichst selbstbestimmtes, unabhängiges und vor allem ein von gesellschaftlicher Teilhabe geprägtes Leben ermöglicht werden." Der Transferprozess von konventionellen zu leichten Texten gestaltet sich jedoch als schwierig. Der Wissenschaftler hat mit seinem Team hierfür eine Lösung gefunden: Mit Methoden der künstlichen Intelligenz soll der Übersetzungsprozess vereinfacht und beschleunigt werden. Für das Projekt "Erstellung und Analyse Leichter Sprache durch Künstliche Intelligenz", kurz ErLeSen, hat das Team eine Zuwendung vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFVzA) in Höhe von knapp 224 900 Euro erhalten.

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Diversität als Erfolgsfaktor

Bei der Frage, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussieht, spielt auch der Faktor Diversität eine wichtige Rolle. Prof. Dr. Martina Klocke, Prorektorin für Diver-sity und Chancengerechtigkeit, betont, dass heterogen zusammengesetzte Gruppen bessere Ergebnisse erzielten als homogene. Widerspruch und Unterschiedlichkeit – oder anders gesagt: Diversität –, ergänzt um eine faire und lebendige Interaktion in der Gruppe, seien ein guter Nährboden für Erkenntnisgewinn, für ein produktives und kreatives Miteinander. Jede und jeder Einzelne kann von "innerer Vielfalt", von pluralistisch orientiertem Denken profitieren.

Der beste Weg zur Erkenntnis ist, Fragen zu stellen – auch und gerade an sich selbst. Dazu lädt die interaktive Ausstellung "Beyond Labels" ein, die Geschichten und Porträts aus der FH Aachen zeigt. Erstellt wird sie von den Studierenden Annika Topham, Jocelyn Cañari, Sarah Leininger, Silvia Stroe, Marius Kleutgens und Peter Horrichs. Unterstützt und begleitet werden sie vom Prorektorat für Diversity und Chancengerechtigkeit der Hochschule. Mit "Beyond Labels" will das Studierendenteam das Schubladendenken aufbrechen und die Menschen hinter den Labels vorstellen.

 

Flexibilität und Rücksicht

Weil es gemeinsam besser geht: Das tägliche Miteinander im Kreis der Kolleginnen und Kollegen ist nicht nur für viele eine wertvolle soziale Errungenschaft, sondern dank der kurzen Wege auch die effektivste Form der Zusammenarbeit. Aber wie bei der Präsenz in der Lehre gilt es auch hier, das richtige Gleichgewicht zu finden. Die Möglichkeit, einen Teil der Arbeit im Homeoffice zu erledigen, hat sich gerade für Mitarbeitende, die familiär stark eingebunden sind, als große Hilfe erwiesen. Das erfordert Flexibilität und Rücksicht auf allen Seiten – aber auch das ist ein Beitrag dazu, gemeinsam besser zu arbeiten.

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Arnd Gottschalk M.A.

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