Hoch hinaus Dennis Schwarz findet über Talentscouting und ETOS den Weg an die FH Aachen

"Steile Gegenden lassen sich nur durch Umwege erklimmen, auf der Ebene führen gerade Wege von einem Ort zum andern." Was Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) in "Wilhelm Meisters Lehrjahre" schreibt, gilt auch für Dennis Schwarz. Sein Weg an die FH war wahrlich nicht der kürzeste und einfachste, aber wer sich mit ihm unterhält, merkt: Der 33-Jährige hat sich – wie er selbst sagt – "einen Traum erfüllt".

Ein neuer Weg

Dennis Schwarz studiert im zweiten Semester Informatik am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik. Sein Berufswunsch ist, einen Job in den Bereichen IT-Sicherheit und IT-Forensik zu bekommen. Dabei schien ein ganz anderer Berufsweg vorgezeichnet. Sein Großvater war Dachdecker, sein Vater Fliesenleger und Maurer. Dennis besuchte die Gesamtschule Alsdorf, die er mit dem erweiterten Hauptschulabschluss beendete, und machte eine Ausbildung zum Dachdecker. Aber er merkte: Das war nicht sein Weg. Er kündigte, machte ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Altersheim. Nach einer ernsten gesundheitlichen Krise, aus der er sich nur mit großer Mühe wieder herausarbeiten konnte, fasste er schließlich den Entschluss, am Weiterbildungskolleg Würselen das Abitur nachzumachen. "Ich habe dreieinhalb Jahre dafür gebraucht, erst ein halbes Jahr Vorkurs, dann drei Jahre bis zum Abitur", erzählt Dennis Schwarz, schließlich lag seine Schulzeit schon rund zehn Jahre zurück.

38 Schulen sind beteiligt

Am Kolleg wurden seine Lehrer:innen auf das Talent des jungen Mannes aufmerksam, und sie ergriffen die Gelegenheit, die sich ihnen dank des "Talentscoutings" bot: Bei diesem Programm können junge Menschen mit bildungsfernem sozialen Kontext an Angeboten zur persönlichen und beruflichen Orientierung teilnehmen, um ihnen gegebenenfalls den Weg in ein Studium zu ebnen. Seit 2017 gibt es das Programm, das in der Region von RWTH Aachen und FH Aachen gemeinsam betrieben wird. 38 Schulen zwischen Heinsberg, Euskirchen, Düren und Aachen sind beteiligt.

Das System Hochschule kennenlernen

"Durch das Talentscouting habe ich das System Hochschule überhaupt erst kennengelernt", sagt Dennis Schwarz, die Prozeduren – etwa rund um Bewerbung und Studienorganisation – seien ihm ebenso fremd gewesen wie die Begriffe und Gewohnheiten. "Es sind manchmal Kleinigkeiten", erzählt er, "am Anfang habe ich mich gewundert, warum am Ende der Vorlesung alle auf den Tisch klopfen."

Begabte Menschen ermutigen

Auf seinem Weg begleitet wurde Dennis Schwarz von Daniela Möller. Sie sagt: "Das Besondere am Talentscouting ist, dass wir unsere Talente über einen langen Zeitraum begleiten und in ihrer Entwicklung unterstützen können – von der ersten vielleicht noch vagen Idee bis ins Studium." Das Programm trägt dazu bei, Bildungsübergänge zu gestalten und die Talente mit einem ihnen fremden System vertraut zu machen.  Das Talentscouting ermutigt begabte Menschen, die sonst vielleicht nicht an die Hochschule gekommen wären, sich ein Studium zuzutrauen und leistet somit einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit.

Erfahrungen weitergeben

Bei der Eingewöhnung ins Studium kam Dennis Schwarz ein zweites Programm zupass, das die beiden großen Aachener Hochschulen gemeinsam anbieten: Elektrotechnik mit Orientierungssemester, kurz ETOS. Jeweils im Sommersemester können Studieninteressierte ein paar Monate lang in Lehrangebote hineinschnuppern, die Hochschuleinrichtungen kennenlernen und sich informieren. "Auch wenn ich mich entschieden habe, Informatik und nicht Elektrotechnik zu studieren, habe ich bei ETOS viel gelernt", sagt er.

Mit den Kooperationsstudiengängen ETOS und BIOS (Bauingenieurwesen mit Orientierungssemester) will die FH die strukturellen Voraussetzungen schaffen, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen und die Hochschule nahbarer zu machen. Zoe East ist als Leiterin der Zentralen Studienberatung verantwortlich für das Talentcouting an der FH Aachen. Sie betont: "Potenziale erkennen und fördern, das macht das Talentscouting aus. Unser Engagement lohnt sich für jedes einzelne Talent, und Bildungsgerechtigkeit geht uns alle an." Dennis Schwarz betont, vor allem das Mentoringprogramm habe ihm als Quereinsteiger die Eingewöhnung an der Hochschule sehr erleichtert. Sein Wissen gibt er jetzt auch an andere weiter, er unterstützt inzwischen andere Talente, denen das System Hochschule noch fremd ist. Als "Insider" beantwortet er Fragen zu seinem Traumstudiengang und nimmt Studieninteressierte mit in die Hochschule zu Vorlesungen oder zu einem Besuch in die Mensa – damit auch sie irgendwann ihren Weg gehen können.

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