Das alte Schätzchen Zu Besuch bei Peter Jaeger und "seiner" Drehbank

Wenn Peter Jaeger die alte Drehbank in der Werkstatt an der Eupener Straße einschaltet, leuchten seine Augen. Aus den 1960er-Jahren stammt diese Weiler, und das alte Schätzchen verrichtet noch immer anstandslos seinen Dienst. Egal ob es um Teile für Versuchsaufbauten oder für Praktika geht, Peter Jaeger hilft gerne. "Ich möchte Probleme lösen", sagt der Werkstattmitarbeiter, und sein Wissensschatz ist für die Kolleg:innen am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik von unschätzbarem Wert.

"Eine schöne Arbeit"

„Ich komme jeden Tag gerne nach hier, es ist eine schöne Arbeit“, sagt er. 1979 nahm er seine Lehre zum Elektrogerätemechaniker an der FH auf, später lernte er auch noch Energiegeräteelektroniker. Seitdem arbeitet er in der Werkstatt des Fachbereichs, wo er und seine Kolleg:innen nicht nur Teile drehen und fräsen, sondern auch löten und schweißen, Holz- und Kunststoffteile zuschneiden sowie Platinen ätzen.

Neue Möglichkeiten

Als er anfing, steckte die Informationstechnologie noch in den Kinderschuhen, Begriffe wie Mobilfunk und Internet hörten sich nach Science Fiction an. "Am Laptop werde ich schnell wahnsinnig", meint er, die handwerkliche Arbeit an den Maschinen ist eher sein Ding. Aber er sieht den anstehenden Änderungen auch mit Freude entgegen. "Seine" Drehbank wird bald in Ruhestand gehen, nach rund sechzig Jahren; neue Maschinen werden kommen. "Die kannst du nicht mehr mit Rädchen bedienen, so wie ich das vierzig Jahre lang gemacht habe", sagt er. Die Werkstatt soll im Laufe des Jahres umgebaut, vergrößert und mit dem Maker-Space – einer Art 3-D-Druck-Labor – zusammengelegt werden. Gemeinsam mit seinen Kolleg:innen will er die Werkstatt für Studierende, aber auch für Schüler:innen öffnen, sie mit den Möglichkeiten vertraut machen. Er freut sich auf die Veränderung: „Wir müssen den jungen Leuten zeigen, wie die Maschinen funktionieren.“

Früher waren die Wege kürzer

44 Jahre im Maschinenraum – er hat alle Rektor:innen miterlebt, ein gutes Dutzend Dekan:innen, viele Generationen von Studierenden. Natürlich habe sich vieles geändert, sagt er, aber die Arbeitsatmosphäre und der kollegiale Zusammenhalt seien nach wie vor prima. Größer und unübersichtlicher sei die Hochschule geworden, auch unpersönlicher. In den Anfangszeiten war der Fachbereich in der Goethestraße untergebracht, der Umzug in das ehemalige Philipsgebäude an der Eupener Straße fand erst 1993 statt. "Früher haben wir mit den Maschinenbauern und den Luft- und Raumfahrern zusammengesessen, da waren die Wege viel kürzer."

"Ich war halt immer der Peter, den alle kennen"

Wer mit Peter Jaeger spricht, merkt, wie sehr ihm die Hochschule am Herzen liegt. Er will keine Politik machen, aber er will sich einbringen und mitreden. Im Fachbereichsrat war er ebenso aktiv wie im Personalrat und im Konvent, und für eine kurze Zeit saß er auch mal im Senat. "Das war eher ein Zufall", sagt er lachend, "ich habe an der falschen Stelle unterschrieben und dann saß ich auf einmal im Senat. Ich war halt immer der Peter, den alle kennen."

In drei Jahren wird Peter Jaeger in den Ruhestand wechseln und mit ihm wird viel Wissen verloren gehen. Er kennt die alten Maschinen noch; er weiß, wie man Dinge repariert. "Geräte, die nicht mehr funktionieren, die schmeißt man heute einfach weg", sagt er bedauernd. Auch in seiner Freizeit hegt und pflegt er alte Schätzchen. Regelmäßig fährt er mit klassischen Boxermotorrädern durch die Eifel. "Um mir die erste Maschine leisten zu können, habe ich im Urlaub in einem Elektroinstallateurbetrieb gearbeitet, Schlitze geklopft und so was", erzählt er.