Mehr Radverkehr durch bessere Radwege Auf dem Weg zum sicheren, schnellen und komfortablen Radfahren

"Wer von Ihnen fährt Fahrrad? Und wer ist dabei mit dem Zustand der Radwege zufrieden?"

Mit diesen beiden Fragen beginnt Torsten Merkens, Wissenschaftlicher Angestellter und Doktorand am Fachbereich Bauingenieurwesen der FH Aachen, seinen Vortrag bei der HAWtech-Konferenz Aachen 2024. Bei der ersten Frage gehen viele Hände hoch, bei der zweiten die meisten davon jedoch wieder herunter. Das Fahrrad kann und soll in Deutschland zur Verkehrswende beitragen, doch es gibt noch einige Hürden, die dafür überwunden werden müssen. In den Städten ist das Radfahren beispielsweise aufgrund fehlender Sicherheit oftmals unattraktiv, zum Beispiel durch eine fehlende Trennung von Straßen, Radwegen und Fußwegen. Auf dem Land dagegen sind die Wege häufig zu lang und mit dem Fahrrad nicht praktikabel. "Die entscheidende Voraussetzung ist die richtige Infrastruktur", erklärt Torsten Merkens. "Es muss möglich sein, auf schnellen und direkten Wegen komfortabel mit dem Fahrrad mobil zu sein."

FH Forschungsprojekt

Neben dem Aus- und Neubau der Radinfrastruktur ist die Kontrolle und die Ausbesserung bestehender Wege notwendig. Das Straßennetz wird in Deutschland entsprechend überprüft, Fahrradwege bisher noch nicht. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrike Stöckert läuft seit September 2021 das Forschungsprojekt "Erfassung und Bewertung des baulichen Zustandes von städtischen Radverkehrsanlagen". Gemeinsam mit den Projektpartnern – der Schniering GmbH und dem Ingenieurbüro Feiler und Hänsel GbR – wurde ein Messfahrzeug entwickelt, das die relevanten Zustandsmerkmale der Fahrradwege erfasst. "Im Forschungsprojekt wurde ein vollelektrisches Schmalspurfahrzeug ausgewählt, das aufgrund seiner Abmessungen und Wendigkeit für die Befahrung von städtischen Radwegen sehr gut geeignet ist. Das Messfahrzeug ist mit verschiedenen Sensor- und Kamerasystemen ausgestattet", erklärt Prof. Stöckert.

Testfahrten unter Realbedingungen

In Aachen, Alsdorf, Eschweiler und Herzogenrath kam es auf rund 80 Kilometern bereits zu Testfahrten unter Realbedingungen. Unebenheiten, Risse und Ausbrüche, aber auch Grünbewuchs im Lichtraumprofil – dem Bereich bis 2,5 Meter über dem Radweg – wurden erfasst. All diese Schäden können Auswirkungen auf die Sicherheit und den Fahrkomfort beim Radfahren haben. "Ein Großteil der Arbeit folgt nach der messtechnischen Erfassung", erklärt Merkens, der in seiner Promotion ein Bewertungsverfahren erarbeitet. "Zunächst haben wir einen Schadenskatalog speziell für Radwege entwickelt. Nach der Erfassung durch das Messfahrzeug müssen wir alle Messdaten auswerten, um herauszufinden, wie der bauliche Zustand des Radweges ist."
Zurzeit wird das aufgenommene Bildmaterial im Nachgang am PC per Hand mit einer speziellen Software hinsichtlich der vorhandenen Schäden ausgewertet. Hier gibt es aber schon Ideen für nachfolgende Forschungsprojekte, um diese Prozesse zu automatisieren. Denkbar sind KI-gestützte Modelle.

Ein weiter Weg

"Das langfristige Ziel ist die Entwicklung eines standardisierten Verfahrens, um eine effiziente Maßnahmenplanung im Betriebs- und Erhaltungsmanagement zu ermöglichen. Das laufende Forschungsprojekt wird hier einen wichtigen Entwicklungsbeitrag leisten", erklärt Stöckert.
Ende des Jahres wird Torsten Merkens seine Promotion am Promotionskolleg NRW abschließen, bis zu attraktiven Radwegen für die breite Masse sei es jedoch noch ein weiter Weg, wie er betont.

Das Forschungsprojekt wird im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, vertreten durch die Bundesanstalt für Straßenwesen, im Rahmen des Forschungsprogramms Stadtverkehr (FoPS) gefördert.

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Zauels, Jonas M.A.

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