Innovation gegen Überschwemmungen Wie das Forschungsprojekt "Intelligenter Laubfangkorb-Sensor" dabei helfen kann, Städte für die Zukunft fit zu machen
FH Aachen | Sascha Halabut
Der Herbst ist von einem Tanz der Blätter geprägt, die von den Bäumen fallen und sich farbenfroh auf den Straßen ausbreiten. Die Schönheit dieser Jahreszeit ist unbestreitbar. Doch das herabfallende Laub kann auch unerwünschte Konsequenzen haben, insbesondere wenn Regen einsetzt und die Abwasserschächte durch Laub verstopft werden.
An der FH Aachen wird eine innovative Lösung entwickelt, um diesem Problem entgegenzuwirken: der Intelligente Laubfangkorb-Sensor, kurz ILSe. Prof. Dr. Felix Hüning und sein Team vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der FH Aachen haben sich mit den beiden Aachener Projektpartnern 4traffic SET GmbH und Dekimo Experts zusammengeschlossen, um ein solches System zu entwickeln.
"Die Daten stehen in Echtzeit zur Verfügung"
Im Mittelpunkt stehen ein Sensor und ein Laubfangkorb, also eine Vorrichtung, die Laub und andere, grobe Verschmutzungen davon abhält, durch die Gullys in die Abwasserkanäle zu gelangen. Der Sensor misst den Füllstand des Korbs und übermittelt diese Daten an einen Webservice, sodass Straßenreinigungsbetriebe immer informiert sind, wo geleert werden muss. "Der Sensor überträgt die Daten mittels LoRaWAN, einer energieeffizienten Funktechnologie mit sehr hoher Reichweite. Die Daten stehen in Echtzeit zur Verfügung", erklärt Prof. Hüning.
Mithilfe von ILSe könnte schon bald das Risiko von gefluteten Straßen – und somit auch von Aquaplaning und vollgelaufenen Kellern – deutlich reduziert werden. Das System bietet darüber hinaus für Straßenreinigungsbetriebe die Möglichkeit, deutlich effizienter zu arbeiten. "Im Moment fahren die Stadtbetriebe in der Regel feste Routen ab und prüfen die Körbe präventiv, ob sie nun voll sind oder nicht. In Aachen gibt es beispielsweise rund 22 000 Laubfangkörbe. Diese Prozedur dauert entsprechend lange", so Hüning.
Prototypische Sensorentwicklung
FH Aachen | Sascha Halabut
In der Anfangsphase des Projekts entwickelten die Partner den Sensor prototypisch. Im Vordergrund stand eine geeignete Sensorik in Kombination mit einem robusten Aufbau des Sensors, um den rauen Bedingungen im Laubfangkorb gerecht zu werden. Anschließend wurden die Größen von Sensor und Gehäuse um mehr als die Hälfte reduziert, damit das System weniger Platz im Korb benötigt und es einfacher montierbar ist. "Wir haben auch das Energiekonzept angepasst, damit die Sensoren möglichst lange autark funktionieren können", erklärt Dieter Dalle, Managing-Director von Projektpartner Dekimo. Parallel dazu entwickelt 4traffic einen Webservice, der die Echtzeitdaten anwendungsgerecht aufbereitet, bereitstellt und die Übertragbarkeit auf andere Städte sicherstellt.
Im nächsten Schritt wird das System unter Realbedingungen getestet. Zwanzig Sensoren werden im Rahmen eines Feldtests in Aachener Laubfangkörben platziert, um Echtzeitdaten zu sammeln. Wenn das System diesen Härtetest besteht, können konkrete Gespräche mit Stadt- und Reinigungsbetrieben wie auch Stadtwerken geführt werden.
Beitrag zur Zukunftsfähigkeit von Städten
Praxisnahe Forschung, die auch direkt einen spürbaren Effekt hat – genau das macht dieses Projekt so spannend. Deshalb wundert es auch nicht, dass es bereits großes Interesse von Betrieben aus mehreren Städten und Kommunen gibt. Auch ein Einsatz der Technologie über die Laubfangkörbe hinaus ist für Hüning denkbar: "Wir möchten mit unserer Technologie unseren Teil dazu beitragen, Städte für die Zukunft fit zu machen und Daten zu generieren, die einen Mehrwert für die Gesellschaft bieten."
FH Aachen | Sascha Halabut
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Über den mFUND des BMDV
Im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND fördert das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) seit 2016 datenbasierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte für die digitale und vernetzte Mobilität der Zukunft. Die Projektförderung wird ergänzt durch eine aktive fachliche Vernetzung der Akteure aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Forschung und durch die Bereitstellung von offenen Daten auf der Mobilithek. Weitere Informationen finden Sie unter www.mfund.de.
"ILSe" wird im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND mit insgesamt 160 000 Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert.
Autor
FH-Aachen
Sascha Halabut B.Sc.
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