Eine Idee nimmt Gestalt an Wie Studierende des Fachbereichs Architektur in Werkstatt und Labor arbeiten
FH Aachen | Arnd Gottschalk
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Es ist 16.27 Uhr an diesem 26. März 2025 und zum ersten Mal seit dreizehn Jahren läuft die Uhr in der Modellbauwerkstatt des Fachbereichs Architektur wieder. Mitarbeiter Georg Wüst hat ihr eine frische Batterie spendiert und trotz des langen Stillstands setzen sich die Zeiger wieder in Bewegung.
Dreizehn Jahre – so lange stand nicht nur die Uhr, sondern die ganze Werkstatt still. Jener Ort, an dem Studierende, Lehrende und Mitarbeitende gearbeitet und diskutiert, gebaut und auch gefeiert hatten. Die “Seele des Fachbereichs” sei der Raum gewesen, erinnert sich Georg Wüst, selbst vor rund dreißig Jahren Student und heute Mitarbeiter. An jenem 26. März wird die Neueröffnung gefeiert. In einer gemeinsamen Anstrengung haben der Fachbereich und das Dezernat Facility Management für die Installation einer neuen Absauganlage gesorgt – und damit die Grundlage für die Inbetriebnahme gelegt.
Was ist das Besondere an der Werkstatt? Oder, anders formuliert: Wie nimmt eine Idee Gestalt an? Jochen Dahlhausen sagt: “Das ist eine wunderbare Kombination. Wir verbinden klassische Werkstatttechniken mit modernen Methoden wie Computer-aided Manufacturing. Vor allem aber schlagen wir hier in der Werkstatt die Brücke vom Entwurf zur Produktion.” Jochen Dahlhausen betreut diejenigen, die die Werkstatt nutzen – Studierende ebenso wie Mitarbeitende. Dabei spielt der Gedanke der Ausbildung eine entscheidende Rolle. “Alles, was die Leute selbst machen können, sollen sie auch tun”, sagt er. Eine gründliche Unterweisung und Einarbeitung seien selbstverständlich. Und auch die Beratung gehört zu seinen Aufgaben. Jochen Dahlhausen überlegt gemeinsam mit seinen “Kund:innen”, wie man einer Idee Gestalt verleihen kann.
Traditionell und modern zugleich
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Gearbeitet wird in erster Linie mit Holz. “Wir können fast alles, was eine Schreinerei auch kann”, sagt Georg Wüst. Neben den traditionellen handwerklichen Verfahren stehe auch moderne Technik zur Verfügung: “Wir wollen einen fließenden Übergang zwischen analoger und digitaler Fertigung erreichen.” Zur Ausstattung der Werkstatt gehören klassische Holzbearbeitungsmaschinen wie eine Kreissäge, eine Stichsäge, eine Fräse und Handschleifgeräte, aber zum Beispiel auch der “Shaper” – das ist eine handgeführte CNC-Fräse, die den Bearbeitungsweg auf einem kleinen Bildschirm anzeigt, sodass die Nutzenden jederzeit sehen, ob sie den Arbeitsschritt richtig ausführen. “Neue Methoden und Techniken werden auch in der Architektur immer wichtiger”, sagt Jochen Dahlhausen; die Arbeit in der Werkstatt solle die Studierenden auf künftige Anforderungen der Arbeitspraxis vorbereiten.
Anschaulich und begreifbar
Wer eine Idee anschaulich und begreifbar machen kann, kann auch andere Menschen von dieser Idee überzeugen – so wie Fares Arnold Selo und Sina Fritsch. Die beiden Architekturstudierenden der FH wurden für ihren Entwurf “Vom Park zur Stadt” mit dem renommierten Schinkelpreis in der Sparte Städtebau sowie einem Reisestipendium der Pysall-Stiftung ausgezeichnet. Im Rahmen des Schinkel-Wettbewerbs war noch ein zweiter Beitrag von FH-Studierenden erfolgreich: Für den Beitrag “Grenzfrequenz” wurden Anna Palarz und Gian-Luca Patti mit einer Anerkennung geehrt. Der Wettbewerb beschäftigte sich mit einem Entwicklungsgebiet im Süden der Berliner Innenstadt, das städtebaulich zu den interessantesten in ganz Deutschland zählt. Es geht um den Bereich des Parks am Gleisdreieck: Mit dem Bau der neuen Nord-Süd-S-Bahn-Trasse und dem vorgeschlagenen Umbau des Bahnhofs Yorckstraße wird hier in Zukunft nicht nur ein wichtiger Umsteigepunkt im öffentlichen Nahverkehr entstehen, das Gebiet bietet auch das Potenzial, die Bereiche Wohnen, Leben, Arbeiten, Wirtschaft und Freizeit im Einklang zu entwickeln.
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Vorbereitung auf die Berufspraxis
Mit Skizzen, Modellen und CAD-Programmen erstellten die Studierenden ihre Entwürfe. “Die Arbeit an solchen Projekten ist sehr aufwendig”, erläutert der betreuende Professor Stefan Werrer, “man muss unterschiedliche Ansätze entwickeln und ausarbeiten.” Es gelte, sowohl den Überblick zu behalten als auch gezielt auf der Detailebene zu arbeiten. Die Präferenzen der beiden Teams sind unterschiedlich. “Wir fangen mit dem Modell an und arrangieren die einzelnen Bausteine immer wieder neu”, sagt Anna Palarz, während Fares Arnold Selo erzählt: “Am meisten hat es mir geholfen, einfach den Stift zu nehmen und etwas zu entwerfen.” Die vier sind sich einig, dass gerade die Arbeit in Zweierteams eine enorme Bereicherung sei, so lerne man früh andere Ideen und Herangehensweisen kennen und sie einzubeziehen. “Unser Ziel ist es, die Studierenden mit unterschiedlichen Methoden des Arbeitens vertraut zu machen”, sagt Stefan Werrer, “so sieht schließlich auch die Arbeit in der Berufspraxis aus.”
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FH-Aachen
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