Baden in Burtscheid Am Anfang war das Wasser

[AACHEN, lateinisch: Aquae Granni: Aquis; Dativ von aquae „Heilquellen“, Grannus: antiker Heilgott, Schutzgott heißer Quellen]

Baden wie Karl der Große – nicht weniger soll in Burtscheid Realität werden. Obwohl die Thermalwassernutzung in Aachen über 2000 Jahre Tradition hat, ist sie im öffentlichen Raum kaum sichtbar und noch weniger nutzbar. Die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und die Stadtteilkonferenz Burtscheid haben es sich zur Aufgabe gemacht, die öffentliche Thermalwassernutzung zu reaktivieren. Dafür haben sie sich mit Lehrenden und Studierenden des Fachbereichs Architektur der FH zusammengetan. Entstanden ist ein temporäres Bad, das als Reallabor für die Nutzung und Nutzbarkeit eines – in Zukunft auch stationären – Bades dienen soll. "Unsere Vision für Burtscheid ist das freie Baden in naturbelassenem Thermalwasser unter hygienischen Bedingungen", erklärt Ulrich Lieser von der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, der sich schon seit 2007 für die Sichtbarkeit des Aachener Wassers einsetzt.

Design Build

Im Wahlmodul "Design Build" befassten sich Architekturstudierende der FH unter der Leitung von Prof. Dr. Anke Fissabre, Cathrin Simon und Steffen Eul mit der ganzheitlichen Planung des temporären Pop-up-Badebrunnens. Die Studierenden bekamen einen guten Eindruck davon, welche Planungen und Schritte ein architektonisches Projekt beinhaltet: Genehmigungsverfahren, Dialog mit der Stadt, Ausführungs- und Detailplanung, Kostenaufstellung und Materialbeschaffung. Und nicht zuletzt auch die praktische Umsetzung; im Blockseminar "Design-Build 2.0" wurde der Brunnen von den Architekturstudierenden in einzelnen Elementen in der Bayernallee gebaut und im Anschluss nach Burtscheid transportiert. Der Aufbau im Fontainenbecken (auf Punktfundamenten) in Burtscheid wurde durch den IT-Dienstleister regio iT im Zuge des "Social Day Aachen" unterstützt, wobei Freiwillige aus lokalen Unternehmen einmal im Jahr in ihrer Arbeitszeit eine soziale oder gemeinnützige Initiative unterstützen.

"Wenn die Theorie in die Praxis umgesetzt wird, ergeben sich viele Herausforderungen, die es auf dem Papier nicht gibt", erklärt Cathrin Simon. Aufgrund der Lage des Brunnens im denkmalgeschützten Kurgarten musste die Umkleide im ungenutzten Zustand mit Hilfe eines Klappmechanismus abgesenkt werden. Die Planung beinhaltete außerdem auch Überlegungen zu möglichem Vandalismus, zur Wassertemperatur, die auch im Winter gehalten werden muss, und natürlich zu einem durchdachten Hygienekonzept. Das Wasser in den Becken wird dafür regelmäßig kontrolliert und in den Betriebsphasen alle zwei Stunden erneuert.

Bis zu 72 Grad Celsius

Aus den heißesten Quellen nördlich der Alpen kommt in Burtscheid bis zu 72 Grad Celsius heißes, salzig-schwefliges Heilwasser aus der Erde. "Die Temperatur in den drei Becken ist so reguliert, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist", erklärt Steffen Eul. "Im ersten Becken haben wir 40, im zweiten 37 und im dritten nur noch 34 Grad Celsius." Bis zu achtzehn Personen passen dabei gleichzeitig in die drei Becken, die von Oktober bis einschließlich Dezember an zwei Tagen die Woche öffentlich zugänglich sind.

Thermalwasser ...

... kann Mineralstoffe wie Magnesium, Kalzium, Sulfate, Jod und Schwefelwasserstoffe enthalten. Diese können sich positiv auf den Stoffwechsel, die Verdauung und das Immunsystem auswirken. Bei äußerer Anwendung kann das Thermalwasser zur Entspannung der Muskulatur, zur Linderung von Hautproblemen und zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen.

Als Vorbild für das Unternehmen in Burtscheid dient das Thermalwasserbad "Bagno Popolare" in Baden in der Schweiz. Dort wurde 2021 nach 150 Jahren das Thermalwasser wieder für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht.

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Zauels, Jonas M.A.

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