FH-Studierende testen Rover im Mondzentrum LUNA beim DLR in Köln

DIM32 - Jenseits des Horizonts

Herzlich willkommen bei der neuen Ausgabe der Dimensionen!

Mit dieser Ausgabe der Dimensionen möchten wir Ihnen zeigen, welche Möglichkeiten die FH Aachen Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden als Präsenzhochschule bietet. Das betrifft in erster Linie praxisorientierte und innovative Lehr- und Studienformate: Wir stellen Ihnen vor, wie in Laboren und Werkstätten gemeinsam gearbeitet wird. In dieser Ausgabe nehmen wir Sie mit in eine Mondlandschaft, in eine Modellbauwerkstatt und zu einer Museumseisenbahn. Vor allem zeigen wir Ihnen Menschen, die vor Ort ihre innovativen Ideen und Projekte in die Tat umsetzen.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Vom Hörsaal zum Mars

Das Rolltor öffnet sich, vor uns liegt eine Mondlandschaft. 900 Tonnen feiner grauer Staub – das sogenannte Regolith-Simulat – sind auf dem Boden der Halle aufgebracht, außerdem gibt es Krater und Felsbrocken. Die FH-Studierenden Anna Wehr und Torben Schnathorst steuern den Rover in die Halle hinein; mit ihren Schutzanzügen erinnern sie an Astronauten.
Wir sind in Köln-Porz, auf dem LUNA-Testgelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA). Die beiden Studierenden des Fachbereichs Aerospace und Automotive Engineering arbeiten als studentische Mitarbeitende im DLR. Zu ihren Aufgaben gehört es, das Fahrzeug als Plattform für zukünftige Einsätze, etwa auf dem Mars, zu testen.
Die Raumfahrttechnik ist ein wesentliches Lehr- und Forschungsgebiet im Fachbereich. Dekan Prof. Dr. Bernd Dachwald erläutert: „Wir sind in der Welt der Raumfahrt hervorragend vernetzt, von den Kooperationen mit anderen Hochschulen, Einrichtungen und Unternehmen profitieren Studierende, Lehrende und Forschende gleichermaßen.“ Koordiniert werden die Raumfahrtprojekte des Fachbereichs von Prof. Dr. Markus Czupalla, er ergänzt: „Wir arbeiten derzeit in mehreren Projekten mit dem DLR zusammen und haben so die Möglichkeit, aktiv an der Spitzenforschung in der Raumfahrt mitzuwirken.“
 

Vom Labor auf die Straße

Im Labor der FH Aachen tüfteln Yannic Windeln und David Bunse an einer nachhaltigen Vision: Bambus als industrieller Konstruktionswerkstoff. Leicht, stabil, schnell wachsend – perfekt für Fahrradrahmen, Rollatoren oder Kinderwagen. Doch erst Klebetechnologie und zerstörungsfreie Materialprüfung machen ihn einsatzbereit. Im Projekt BambusFAB entwickelten sie mit Partnern eine Fertigungsanlage, die Rohre digital vermisst, prüft, zuschneidet, mit 3D-gedruckten Muffen versieht und automatisiert verklebt. Präsentiert 2024 in Monschau, zeigt sie, wie Forschung in industrielle Prozesse übergeht.

Eine Idee nimmt Gestalt an

Es ist 16.27 Uhr an diesem 26. März 2025 und zum ersten Mal seit dreizehn Jahren läuft die Uhr in der Modellbauwerkstatt des Fachbereichs Architektur wieder. Mitarbeiter Georg Wüst hat ihr eine frische Batterie spendiert und trotz des langen Stillstands setzen sich die Zeiger wieder in Bewegung. Dreizehn Jahre – so lange stand nicht nur die Uhr, sondern die ganze Werkstatt still. Jener Ort, an dem Studierende, Lehrende und Mitarbeitende gearbeitet und diskutiert, gebaut und auch gefeiert hatten. Die „Seele des Fachbereichs“ sei der Raum gewesen, erinnert sich Georg Wüst, selbst vor rund dreißig Jahren Student und heute Mitarbeiter. An jenem 26. März wird die Neueröffnung gefeiert. In einer gemeinsamen Anstrengung haben der Fachbereich und das Dezernat Facility Management für die Installation einer neuen Absauganlage gesorgt – und damit die Grundlage für die Inbetriebnahme gelegt.

 

Kleben gegen den Stau

Prof. Dr. Jörg Laumann entwickelt mit seinem Team im Stahlbaulabor der FH Aachen eine Technologie, die in einigen Jahren auch in einem sehr viel größeren Maßstab funktionieren soll: Mit Klebeverbindungen sollen zukünftig ganze Autobahnbrücken aus Stahl- und Stahlverbundbauweise stabilisiert werden. “Wir hoffen, dass wir eine Verlängerung der Nutzungsdauer von 15 bis 20 Jahren erreichen können”, blickt der Stahlbauexperte in die Zukunft. Und das Problem drängt: Viele Autobahn- und Bahnbrücken aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind marode; wenn sie nicht mehr verkehrssicher sind, müssen sie abgerissen und Alternativbauten errichtet werden.

Krisen meistern, Märkte verstehen

Plötzlich ist es still im Raum. Auf den Bildschirmen flackert eine Eilmeldung: Ein schweres Erdbeben hat Japan erschüttert – das Atomkraftwerk Fukushima ist vom Tsunami betroffen. Die Energiemärkte spielen verrückt, Preise explodieren. Kommunikationskanäle laufen heiß. In dieser Situation müssen Strategien umgeworfen und Entscheidungen schnell getroffen werden. Das kann die Energiefachleute im Zweifel viel Geld kosten. Einen Moment fühlt es sich an wie die Realität – es ist aber Übung mit Tiefgang: das Planspiel EnergyNext.

Geisterbahn im Feldversuch

Sonntagmorgen, kurz nach 6 Uhr: Der Triebwagen VT 504 006 fährt über die Gleise der Bördebahn zwischen Düren und Euskirchen, am Steuer sitzt – Kollege Computer. Wie von Geisterhand gesteuert rollt das Fahrzeug über einen etwa einen Kilometer langen Gleisabschnitt zwischen Jakobwüllesheim und Vettweiß, der eigens für die Testfahrten gesperrt wurde. Im Rahmen des Projekts RailAIxs (Rail automation with Artificial Intelligence for detection of exceptional situations) wird hier erprobt, wie automatisierte Hinderniserkennung im Schienenverkehr eingesetzt werden kann.

 

Turbinenteststand im FH-Labor

Seit Jahrzehnten wird Wasserstoff als Energieträger der Zukunft gepriesen – in die wirtschaftliche Umsetzung sind die vielversprechenden Ansätze aber nur selten gelangt. Am Fachbereich Aerospace und Automotive Engineering der FH Aachen wird derzeit unter der Leitung von Prof. Dr. Harald Funke eine Methode entwickelt, Wasserstoff in Flugzeugturbinen einzusetzen.

Ein Traum für jeden Mechaniker

Sie faucht, sie zischt, sie qualmt, und manchmal ist sie nicht ganz dicht – kein Zweifel, „Haspe“ lebt. Die 70 Jahre alte Dampflokomotive ist ein Traum für alle, deren Herz für Mechanik schlägt – genau so jemand ist Niklas Hoffmann. Von 2015 bis 2018 absolvierte er eine Ausbildung in der Mechanischen Werkstatt am Campus Jülich, in seiner Freizeit arbeitet er bei der Selfkantbahn. Bei einem Besuch in der Werkstatt in Gangelt-Schierwaldenrath zeigt er, was er dort macht.

Wissenstransfer für den Mittelstand

Viele Maschinen verlieren ihren Nutzwert, wenn es niemanden (mehr) gibt, der sie zu bedienen weiß. Zahlreiche mittelständische Unternehmen in Industrie und Handwerk stehen vor einer großen Herausforderung: Altgediente und erfahrene Mitarbeitende gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, und die Unternehmen müssen einen Weg finden, das praktische Wissen dieser ausscheidenden Kolleg:innen zu erfassen, zu bewahren und für die Folgejahre nutzbar zu machen. Die drei FH-Alumni Lara Nawrath, Marius Giese und Julian Becker entwickeln ein Angebot, das eine Lösung für dieses Problem bietet: Mit ihrem Start-up bluvero möchten sie ein Produkt auf den Markt bringen, das die Grundlage für ein nachhaltiges Wissensmanagement schafft – und zwar indem es eine Softwareplattform, die nötige Hardware und den Service miteinander verbindet.

Lernen heißt ausprobieren

“Gutes Lernen braucht echte Begegnung.” Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt Prof. Dr. Miriam Barnat, Leiterin des Zentrums für Hochschuldidaktik und Qualitätsentwicklung (ZHQ) der FH Aachen, Konzepte für die Lehre der Zukunft. Für sie ist klar, dass Hochschulen neue Lehr- und Lernformate entwickeln müssen, und zwar als “Ausdruck einer Überzeugung”, wie sie sagt. Präsenzstudium sei keineswegs altmodisch, sondern hochaktuell.

Kontakt

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